Landwirtschaft

34 % unserer Region sind landwirtschaftlich genutzte Flächen. Alleine schon die Tatsache, welch großen Anteil an der Gesamtfläche die Landwirtschaf umfasst macht diesen Bereich maßgeblich, wie Wasser in der Landschaft aufgenommen oder abgeleitet wird. Durch angepasste Bewirtschaftungsformen können Böden mehr Wasser speichern und gleichzeitig Erosion reduziert werden.

Landwirtschaft, Wasser und Klimaanpassung zusammendenken

In der Landwirtschaft können unterschiedliche Bewirtschaftungsformen den Wasserrückhalt im Boden verbessern. Dazu zählen unter anderem Agroforstsysteme, bei denen Bäume mit Ackerbau oder Grünland kombiniert werden. Die Pflanzung von Hecken und Grünstreifen entlang von Feldern hat positive Auswirkungen auf den Wasserhaushalt. Humusaufbauende Bodenbearbeitung haben auch positive Effekte auf Wasser, Ertrag und Erosionsschutz.

 

Was kann ich als Einzelperson tun

  • regionale und nachhaltig erzeugte Lebensmittel kaufen
  • Getränke aus regionalen Streuobstbeständen kaufen 
  • im eigenen Garten Sträucher oder Obstbäume pflanzen

Bäume auf dem Acker – Agroforst und Wasserliniensysteme

Wetterextreme nehmen zu, Trockenperioden werden länger und Wasser wird zunehmend zum begrenzenden Faktor. Gleichzeitig müssen landwirtschaftliche Flächen auch künftig zuverlässig der Nahrungsmittelproduktion dienen. Agroforst und Wasserliniensysteme bieten Möglichkeiten, Landwirtschaft an diese Veränderungen anzupassen und gleichzeitig Wasser länger in der Landschaft zu halten.

Bildquelle: Baumfeldwirtschaft - Hessische Staatsdomäne Gladbacherhof

Was ist Agroforst?

Beim Agroforst werden Bäume und Sträucher gezielt in Acker- oder Grünland integriert. Typisch sind Baumreihen oder Gehölzstreifen, zwischen denen weiterhin landwirtschaftliche Kulturen angebaut werden. Anders als bei einzelnen Feldgehölzen oder Hecken werden diese Strukturen systematisch geplant und bewirtschaftet.

Dabei können verschiedene Vorteile miteinander verbunden werden:

  • Wind- und Erosionsschutz: Bäume bremsen den Wind, reduzieren Austrocknung und schützen den Boden.
  • Besserer Wasserhaushalt: Wurzeln können den Boden strukturieren und Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen.
  • Bodenfruchtbarkeit: Laub und Wurzelreste fördern Humusaufbau und Bodenleben.
  • Biodiversität: Gehölze schaffen Lebensräume und fördern Nützlinge.
  • Zusätzliche Erträge: Je nach System können Holz, Wertholz, Früchte oder andere Produkte genutzt werden.
  • Mehr Ertragssicherheit: Ein besserer Wasserhaushalt und der Schutz vor Hitze und Wind können helfen, Erträge langfristig zu stabilisieren.

Agroforst bedeutet dabei nicht, landwirtschaftliche Flächen aus der Nutzung zu nehmen. Landwirtschaft und Gehölze werden auf derselben Fläche miteinander kombiniert.

Wasser möglichst in der Region halten

Für die Schwammregion Holzwinkel-Altenmünster ist besonders wichtig, Niederschlagswasser nicht möglichst schnell aus der Landschaft abzuleiten, sondern es möglichst lange vor Ort zu halten. Wasser, das langsam versickert, bleibt im Boden pflanzenverfügbar und kann zur Grundwasserneubildung beitragen. Gleichzeitig werden Oberflächenabfluss, Bodenerosion und Abflussspitzen bei Starkregen reduziert.

Wasserliniensysteme setzen genau hier an: Regenwasser wird entsprechend der natürlichen Geländeform gezielt gelenkt und verteilt, sodass es langsamer abfließt und möglichst vor Ort versickern kann.

Näheres im Video Wirklich wirksame Wässersysteme von Dr. Philipp Gerhard. 

Zwei Ansätze – ein gemeinsames Ziel

Agroforst und Wasserliniensysteme können sich sinnvoll ergänzen:

Niederschlag → langsamer Abfluss → Versickerung → Speicherung im Boden → Aufnahme durch Pflanzen → Verdunstung → regionaler Wasserkreislauf

Die Vegetation nimmt das gespeicherte Wasser auf und gibt einen Teil davon wieder an die Atmosphäre ab. Dadurch kann die Verdunstungskühlung unterstützt und der regionale Wasserkreislauf gestärkt werden.

Gerade in Hitzeperioden ist dieser Zusammenhang wichtig: Eine begrünte und gut mit Wasser versorgte Landschaft kann widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und hohen Temperaturen sein.

Großes Interesse in unserer Region

Wie groß das Interesse an diesen Themen ist, zeigte bereits unsere Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe 2016. Dr. Philipp Gerhard von Baumfeldwirtschaft vermittelte zunächst Grundlagen zu Wolkenbildung, Niederschlag, Wasserkreislauf und den Zusammenhängen mit der Klimaerwärmung.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Wasser möglichst in der Region gehalten werden kann – pflanzenverfügbar im Boden, vor Ort gespeichert und über die Vegetation wieder in den Wasserkreislauf eingebunden.

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Agroforst und Wasserliniensysteme interessante Möglichkeiten für eine klimaangepasste Landwirtschaft bieten. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass landwirtschaftliche Flächen weiterhin der Nahrungsmittelproduktion dienen müssen und bei der Umsetzung rechtliche sowie fördertechnische Rahmenbedingungen zu beachten sind.

Alle die zu unserer Veranstaltung verhindert waren oder sich nochmal die Zusammenhänge von Wolken, Verdunstung und Landschaftsgestaltung ansehen wollen, emfehlen wir das Video WIE LANDSCHAFT DAS KLIMA KÜHLT von Dr. Philipp Gerhard.

Vom Wissen zur Umsetzung

Agroforst und Wasserliniensysteme sind keine Patentlösungen und müssen immer an Standort, Boden, Gelände und Betrieb angepasst werden. Eine gute Planung ist deshalb entscheidend. Insbesondere Agroforst ist eine langfristige Investition, da Bäume Zeit zum Wachsen benötigen.

In Verbindung mit weiteren Maßnahmen – beispielsweise einer angepassten Bodenbewirtschaftung oder dem Keyline-Ansatz – können beide Systeme jedoch wichtige Bausteine für eine wasserbewusste und klimaresiliente Landschaft sein.

Wir möchten den fachlichen Austausch fördern und interessierte Landwirte und Grundstückseigentümer bei der Umsetzung unterstützen. Gerne stehen wir für Fragen zu möglichen Förderungen, für den Austausch mit bereits umgesetzten Projekten oder für die Organisation von Exkursionen zur Verfügung.

Unser Ziel: Wasser in der Landschaft halten, Böden schützen und Landwirtschaft auch unter veränderten Klimabedingungen zukunftsfähig machen.


Sitemap